Platonische Liebe: So viel mehr als Friendzone Keine Sorge! Wir sind mit Sicherheit die letzten,

Keine Sorge! Wir sind mit Sicherheit die letzten, die hier irgendwen zur Enthaltsamkeit uberreden oder eine ausweglose Friendzone schon reden wollen. Trotzdem wird es hochste Zeit, mal eine Lanze fur die Platonische Liebe zu brechen. Denn bei der geht es um viel mehr als Freundschaft!

Was ist Platonische Liebe?

Im Prinzip kann der Begriff Platonische Liebe fur jede Art von Liebesbeziehung verwendet werden, bei der die erotische Ebene au?en vor bleibt. Kein Sex, kein Necking, kein Zungenkuss, keine Lust – aber eben Liebe. Klingt langweilig und unvollstandig? Ist es aber nicht! Denn ubrig bleibt immer noch die tiefste und innigste Verbindung, die es zwischen zwei fling Menschen geben kann.

Was die wiederum uns geben kann, jenseits von Sexualitat und Erotik, hier noch mal zur Erinnerung:

  • Mut
  • Hoffnung
  • Kraft
  • Selbstvertrauen
  • Intimitat
  • Selbstbewusstsein
  • Zartlichkeit
  • Freude
  • Vertrautheit
  • Sinn

Und dass auch Mutterliebe eine Form der Liebe ohne jegliche sexuelle Anziehung ist, sei an dieser Stelle nur der Vollstandigkeit halber und am Rande kurz erwahnt .

Gibt es Platonische Liebe (nur) zwischen Mann und Frau?

Wie fur jede Form der Liebe gilt auch fur die Platonische: Sie bezieht sich auf Menschen – nicht auf ein Geschlecht.

Allerdings verwenden viele den Begriff Platonische Liebe gezielt, um damit eine tiefe, aber nicht korperliche Beziehung zwischen zwei Menschen zu bezeichnen, von denen man erwarten wurde, dass sie Sex oder zumindest sexuellen Kontakt haben. Um damit die Besonderheit zu betonen, dass das eben nicht der Fall ist.

In dem Fall konnte es Platonische Liebe logischerweise nur zwischen Mann und Frau geben, wenn beide heterosexuell sind, und bei Homosexuellen nur zwischen Mann und Mann beziehungsweise zwischen zwei Frauen. Dass das uberhaupt moglich ist – also eine Liebe ohne sexuelle Zartlichkeiten und Spannung zwischen zwei Menschen, zwischen denen potenziell die Funken spruhen – bezweifeln wiederum einige Leute (und zwar, was man so hort, vor allem Manner).

Fur uns ist das alles Grund genug, die Auffassung zu vertreten, dass Platonische Liebe zwischen allen Menschen entstehen kann – egal, welches Geschlecht und welche Sexualitat. Schlie?lich ware es sowieso irgendwie strange, Platonische Liebe ausgerechnet uber das Merkmal zu definieren, das sie nicht aufweist (korperlicher Part und sexuelle Zuneigung), anstatt sich mit all dem zu befassen, was sie ausmacht (Gefuhle, Verbundenheit, geistige Verwandtschaft).

Was unterscheidet Platonische Liebe von Freundschaft?

Platonische Liebe greift grundsatzlich tiefer als die meisten Freundschaften. Uber ein “gerne miteinander Zeit verbringen” und “einander mogen und vertrauen” geht sie jedenfalls weit hinaus. Und mit “Freundin adden” oder einer Einladung bei Facebook ist es dabei auch nicht getan.

Genau wie wahre Liebe, zeichnet sich Platonische Liebe unter anderem dadurch aus, dass sie .

  • Krisen ubersteht
  • bedingungslos ist
  • verzeihen kann
  • hundertprozentig loyal ist
  • oft aber auch Angst auslost.

(Weitere Zeichen der Liebe und die Erklarungen dazu findest du in unserem zugehorigen Artikel.)

Wenn der Mensch, den du platonisch liebst, verletzt wird, ist es, als wurdest du selbst verletzt. Denn Platonische Liebe ist eine Art Seelenverwandtschaft.

(Allerdings handelt es sich bei den Liebenden nicht unbedingt um Dualseelen).

Warum Platonische Liebe – und nicht erotische?

Warum zwei Menschen, die sich aufrichtig lieben, keine korperliche Anziehung fureinander empfinden, kann ganz unterschiedliche Grunde haben. Zum Beispiel:

  • Die beiden sind Freunde seit fruhester Kindheit und sehen sich eher wie Geschwister
  • Sie waren lange Sexpartner, bei denen mit der Zeit oder dem Alter die Lust, aber nicht die Liebe nachgelassen hat
  • Mindestens einer von beiden ist asexuell (hier erfahrst du ubrigens, was der Unterschied zwischen a- und demisexuell ist)
  • Sie fuhlen sich korperlich mehr zu anderen hingezogen
  • Sie mochten sich einfach auf eine Verbindung geistiger Art konzentrieren

Dementsprechend unterschiedlich konnen platonische Beziehungen naturlich auch aussehen. Einige sind exklusiv und stellen fur beide Beteiligten die Haupt-Partnerschaft in ihrem Leben dar, andere bestehen neben Liebesbeziehungen wie Ehe, Sexpartnerschaft oder Mingle-Sein.

Was aber alle platonischen Beziehungen gemeinsam haben: Streit wegen Sex gibt es in der Regel nicht .

Was hat Platon mit Platonischer Liebe zu tun?

Naturlich wurden wir gerne Platon als Verfechter und Fursprecher oder sogar “Erfinder” Platonischer Liebe anfuhren, schlie?lich war der Philosoph ein verdammt schlauer Mann. Die Wahrheit ist aber: Zu Platons Lebzeiten gab es das uns bekannte Konzept der Platonischen Liebe noch laaaange nicht, denn es entwickelte sich erst ganz langsam wahrend und vor allem nach der Renaissance.

Auch mit Platons Philosophie hat unser Begriff der nach ihm benannten Liebesform nicht wirklich viel zu tun.

Zwar hat Platon viel und intensiv uber die Liebe nachgedacht und geschrieben (ubrigens sah er schon damals homoerotische Beziehungen als etwas ganz Naturliches und Normales an – wie gesagt, schlauer Mann!). Doch gerade das Eros, also die korperliche Lust, beschaftigte ihn dabei sehr.

Die eine philosophische These, die erklaren wurde, warum unser Verstandnis von Platonischer Liebe nach dem Philosophen benannt sein muss, hat er selbst jedenfalls nie formuliert. Und wenn er wusste, dass sein Name heute “nur” noch mit dieser einen Form der Liebe in Verbindung gebracht wird, wurde er sich vermutlich zumindest schwer missverstanden fuhlen .

Immerhin: Platon war definitiv ein gro?er Fan der Liebe und ging sogar davon aus, dass sie uns zu Schonheit, Wahrheit und Erkenntnis fuhren konnte (womit er weder Orgasmus noch sexuelle Ekstase meinte). Und das kann man als Liebeserklarung ja mal so richtig gut stehen lassen. Und zwar fur all ihre Spielarten!